Gladbachs neue Ordnung: Warum die Außenbahnen über Blessins System entscheiden.
Bei Borussia Mönchengladbach wird unter Alexander Blessin intensiv an der taktischen Ausrichtung gearbeitet. Dabei rückt die Dreierkette zunehmend in den Mittelpunkt.
Doch für den Erfolg dieses Systems ist möglicherweise gar nicht entscheidend, welche drei Spieler im Abwehrzentrum stehen. Viel wichtiger könnte sein, was auf den beiden Außenbahnen passiert.
Der Test gegen den FC St. Pauli lieferte dafür interessante Hinweise. Borussia begann mit einer Dreierreihe aus Hiroki Ito? Nein – entscheidend ist vielmehr die Rollenverteilung: Die Außenspieler sollen im Ballbesitz weit nach vorne rücken und sich bei gegnerischem Ballbesitz wieder in die Defensive zurückziehen.
Genau diese Positionen werden häufig als Schienenpositionen bezeichnet.
Was muss ein Schienenspieler bei Gladbach leisten?
Der Begriff klingt komplizierter, als er ist. Ein Schienenspieler verbindet die Aufgaben eines Außenverteidigers mit denen eines offensiven Flügelspielers.
Borussia kann dadurch im eigenen Ballbesitz aus einer Dreierkette heraus sehr offensiv auftreten. Die beiden Außenspieler rücken nach vorne und sorgen für Breite. Gleichzeitig können die offensiven Spieler dahinter beziehungsweise davor stärker die Räume im Zentrum und in den Halbräumen nutzen.
Geht der Ball verloren, beginnt allerdings die schwierige Arbeit.
Die Außenspieler müssen schnell zurückkommen. Neben den drei zentralen Verteidigern entsteht dann eine Fünferkette. Genau dieser Wechsel ist für Blessins System von großer Bedeutung.
Zwischen 3-4-2-1 und 5-4-1 liegt nur ein schmaler Grat
Auf dem Papier können beide Formationen beinahe identisch besetzt sein. Auf dem Platz unterscheiden sie sich trotzdem erheblich.
Stehen die Außenspieler hoch, kann Gladbach den Gegner früh unter Druck setzen und mit mehreren Spielern angreifen. Werden sie dagegen tief in die eigene Hälfte gedrängt, kann aus dem offensiven Ansatz schnell ein 5-4-1 werden.
Dann droht ein bekanntes Problem: Der Weg zum gegnerischen Tor wird länger, die offensiven Spieler erhalten weniger Unterstützung und der zentrale Angreifer kann isoliert werden.
Deshalb greift die einfache Diskussion „Dreierkette oder Viererkette?“ zu kurz.
Gladbach besitzt unterschiedliche Spielertypen
Interessant wird die Dreierkette auch deshalb, weil Blessin für die Außenpositionen verschiedene Möglichkeiten besitzt. Joe Scally interpretiert eine solche Rolle anders als beispielsweise Lukas Ullrich. Hinzu kommen weitere personelle Optionen.
Das gibt dem Trainer Variationsmöglichkeiten, stellt ihn aber gleichzeitig vor eine wichtige Entscheidung: Welche Kombination bietet genügend defensive Stabilität, ohne Borussias Offensive auszubremsen?
Auch für Spieler wie Robin Hack oder Shuto Machino kann die Grundordnung interessant sein. Wenn die Außenbahnen von den Schienenspielern besetzt werden, können sich die offensiven Akteure häufiger Richtung Zentrum orientieren und näher am Strafraum auftauchen.
Die Dreierkette allein löst Gladbachs Probleme nicht
Borussias taktische Entwicklung wird deshalb kaum davon abhängen, ob auf einem Mannschaftsbogen drei oder vier Verteidiger eingezeichnet sind.
Entscheidend sind Abstände, Laufwege, Pressing und vor allem das Verhalten auf den Außenbahnen.
Blessins Dreierkette kann offensiv und aggressiv sein. Sie kann aber genauso schnell zu einer tiefen Fünferkette werden. Genau dieser Unterschied dürfte in den kommenden Spielen spannend zu beobachten sein.
Wie seht ihr das? Sind Gladbachs Außenspieler für diese anspruchsvolle Rolle geeignet oder wäre eine klassische Viererkette die bessere Lösung? Schreibt eure Meinung bei TorElf in die Kommentare.

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