Borussia-Park gegen Son Moix: Was Gladbach von Mallorcas Fankultur lernen kann.
Wer den Borussia-Park und Son Moix nur anhand von Zuschauerzahlen, Eintrittspreisen oder moderner Stadionausstattung vergleicht, übersieht das Wichtigste: Ein Fußballstadion lebt von den Menschen auf den Tribünen.
Borussia Mönchengladbach und RCD Mallorca zeigen dabei zwei unterschiedliche Formen von Fankultur.
Für TorElf lohnt sich deshalb der Blick darauf, was beide Vereine voneinander lernen können.
Borussia-Park: Die Nordkurve als Herzstück
Bei Borussia Mönchengladbach ist die Nordkurve untrennbar mit dem Stadionerlebnis verbunden. Fahnen, Gesänge, Choreografien und die organisierte Fanszene prägen viele Heimspiele. Besonders bei Derbys oder anderen emotionalen Begegnungen kann der Borussia-Park eine Atmosphäre entwickeln, die weit über den normalen Bundesliga-Alltag hinausgeht.
Diese Kultur ist nicht künstlich geschaffen worden. Sie basiert auf jahrzehntelanger Fantradition, die schon am Bökelberg existierte und später in den Borussia-Park mitgenommen wurde.
Gerade darin liegt eine große Stärke: Borussia muss seine Identität nicht erfinden.
Gleichzeitig gibt es auch unter Gladbach-Fans unterschiedliche Vorstellungen von guter Stimmung. Dauerhafter Gesang oder stärker auf das Spiel reagierender Support? Große Fahnen oder bessere Sicht auf das Spielfeld? Solche Diskussionen gehören zu einer lebendigen Fanszene dazu.
Son Moix: Fußball trifft mallorquinische Identität
Beim RCD Mallorca sieht die Ausgangslage anders aus. Im Estadi Mallorca Son Moix befindet sich mit „L'Infern 1916“ im Fondo Sur ein organisierter Stimmungsbereich. Dort sollen die Fans ihre Mannschaft während des Spiels intensiv unterstützen.
Interessant wird Son Moix aber vor allem dort, wo der Verein Fußball und mallorquinische Kultur miteinander verbindet.
Beim 110-jährigen Vereinsjubiläum waren beispielsweise traditionelle Elemente wie Ball de Bot, Gegants und Dimonis Bestandteil des Stadionerlebnisses. Damit präsentiert sich der RCD Mallorca nicht ausschließlich als Fußballverein, sondern auch als Repräsentant seiner Insel.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Mallorca besitzt mit seiner regionalen Identität etwas, das sich nicht kopieren lässt – genauso wenig wie sich die Gladbacher Nordkurve einfach nach Palma übertragen ließe.
Was könnte Gladbach von Mallorca übernehmen?
Borussia braucht weder spanische Rituale noch künstliche Unterhaltung vor einem Heimspiel.
Interessanter wäre ein anderer Ansatz: den Borussia-Park noch stärker mit dem Niederrhein und der eigenen Vereinsgeschichte zu verbinden.
Die Fohlenelf, der Bökelberg, die Europapokalnächte und zahlreiche Vereinslegenden liefern dafür genügend Stoff. Auch zusätzliche Treffpunkte und Angebote rund um das Stadion könnten dazu beitragen, dass der Spieltag noch stärker als gemeinsames Erlebnis wahrgenommen wird.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, aus einem Fußballspiel eine Showveranstaltung zu machen.
Im Gegenteil.
Mallorca zeigt, dass regionale Kultur Teil eines modernen Stadionerlebnisses sein kann, ohne die eigene Identität aufzugeben.
Zwei Stadien mit unterschiedlichen Stärken
Der Borussia-Park besitzt etwas, das sich nicht planen lässt: eine über Jahrzehnte gewachsene Fankultur. Son Moix wiederum zeigt, wie ein Verein Stadion, Fußball und regionale Identität bewusst miteinander verbinden kann.
Vielleicht können deshalb sogar beide Vereine voneinander lernen.
Mallorca von Gladbach, wie wertvoll eine über Generationen gewachsene Kurvenkultur ist – und Borussia von Mallorca, dass ein Stadionbesuch bereits lange vor dem Anpfiff beginnen kann.
Wie seht Ihr das? Was macht für Euch ein echtes Stadionerlebnis aus? Und könnte Borussia rund um den Borussia-Park noch stärker die eigene Geschichte und den Niederrhein einbeziehen?
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